Kopfschmerzsprechstunde | Migräne
Kopfschmerzen sind ein sehr häufiges Problem, mit dem wahrscheinlich jeder Mensch irgendwann in Berührung kommt. Man unterscheidet mehr als 200 Arten von Kopfschmerzen, die unterschiedliche Auslöser, Orte, Schmerzcharakter, Intensitäten und Begleiterscheinungen haben können. Am bekanntesten sind Spannungstypkopfschmerzen, Migräne und der Clusterkopfschmerz. Kopfschmerzen können auch im Rahmen von anderen Krankheiten und Verletzungen auftreten. Behandeln lässt sich Kopfweh durch anpassen des Verhaltens (Lebensstil!), Hausmittel oder Medikamente. Diese Massnahmen wirken oft auch vorbeugend.
Was sind Kopfschmerzen?
Mit Kopfschmerzen hatte wohl jeder Mensch schon einmal zu tun: Es drückt, zieht, bohrt, sticht oder pulsiert im Kopf. Der Schmerz kann einseitig, beidseitig oder im gesamten Kopf spürbar sein. Der medizinische Begriff für Kopfschmerzen ist Cephalgie.
Doch Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Mehr als 200 verschiedene Arten von Kopfschmerzen sind bekannt. Sie können eine eigenständige Erkrankung (primäre Kopfschmerzen) sein, für die sich keine organische Ursache finden lässt. Kopfschmerzen können aber im Rahmen einer anderen Erkrankung oder Verletzung auftreten (sekundäre Kopfschmerzen).
Kopfschmerzen zählen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen. Fast jeder Mensch hat im Lauf seines Lebens mit Kopfweh zu tun. Kopfschmerzen können in jedem Alter auftreten, auch schon bei Kindern und Jugendlichen.
Kopfschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben. Bei den primären Kopfschmerzen lässt sich keine andere Erkrankung als Auslöser finden. Zu den bekanntesten Formen gehören Spannungstypkopfschmerzen, Migräne und Clusterkopfschmerzen.
Spannungstypkopfschmerzen
Die genauen Ursachen von Spannungstypkopfschmerzen sind noch nicht vollständig geklärt. Verschiedene Faktoren können an ihrer Entstehung beteiligt sein oder Kopfschmerzen begünstigen.
Migräne
Auch bei Migräne sind die genauen Ursachen nicht abschliessend geklärt. Bekannt ist, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Verschiedene Faktoren können Migräneattacken auslösen oder begünstigen.
Clusterkopfschmerzen
Auch die Ursachen von Clusterkopfschmerzen sind bislang nicht vollständig bekannt. Charakteristisch ist, dass die Attacken häufig in bestimmten Zeiträumen gehäuft auftreten.
Kopfschmerzen können sich je nach Art sehr unterschiedlich äussern. Wichtige Merkmale sind:
- Ort: einseitig, beidseitig oder gesamter Kopf, wandernder Schmerz oder an einer Stelle bleibend
- Schmerzqualität: zum Beispiel dumpf, drückend, stechend, bohrend, pulsierend, klopfend, „schraubstockartig“
- Intensität: leicht, mässig oder unerträglich
- Situationen: zum Beispiel Verbesserung an der frischen Luft, Verschlechterung bei körperlicher Aktivität, beim Bücken oder im Liegen
- Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, rote oder tränende Augen, Naselaufen, neurologische Störungen, zum Beispiel der Sprache oder des Bewusstseins
Spannungstypkopfschmerzen: Symptome
- dumpfe, drückende Kopfschmerzen
- leichte bis mittelstarke Kopfschmerzen
- oft schmerzt die Stirn, aber manchmal auch der gesamte Kopf
- können nur wenige Minuten, aber auch eine Woche anhalten
- verstärken sich nicht bei körperlicher Aktivität, etwa beim Treppensteigen oder Sport
- keine Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen oder erhöhte Lichtempfindlichkeit
Migräne: Symptome
- pulsierende, pochende oder hämmernde Schmerzen
- mässige bis starke Kopfschmerzen
- häufig einseitig
- verstärken sich oft bei geringster Bewegung oder körperlicher Aktivität
- Bei manchen Patienten und Patientinnen treten Erscheinungen („Aura“) mit Lichtblitzen, Verschwommensehen, Sprachstörungen, Lähmungen oder Missempfindungen unmittelbar vor einer Migräneattacke auf. Begleitend kommen oft Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm oder Schwindel hinzu.
- Migräneanfälle können einige Stunden bis zu drei Tagen andauern.
Clusterkopfschmerz: Symptome
- bohrende, stechende oder brennende Kopfschmerzen
- extreme Schmerzen, die schnell zunehmen (meist innert zehn Minuten)
- streng einseitig, meist im Bereich eines Auges, manchmal auch an der Schläfe oder Stirn lokalisiert – oft ist immer die gleiche Kopfseite betroffen
- Schmerzen gehen mit einem Bewegungsdrang einher
- Begleiterscheinungen: das Auge ist gerötet und tränt, verstopfte oder laufende Nase, Schweiss einseitig auf Stirn und Wangen, verengte Pupille, geschwollenes oder hängendes Augenlid, erhöhte Licht- und Lärmempfindlichkeit
- Schmerzattacken dauern zwischen 15 Minuten und drei Stunden an
Die Diagnose beginnt immer mit dem Gespräch zu Ihrer Krankengeschichte, der Anamnese. Wir stellen Ihnen einige Fragen. Ihre Antworten liefern uns meist die richtigen Anhaltspunkte, um welche Art von Kopfschmerzen es sich handelt. Manchmal ist es hilfreich, ein Kopfschmerztagebuch (Kopfschmerzkalender) zu führen welchen wir ihnen gerne abgeben. Alternativ gibt es verschiedene Kopfschmerz- und Migräne-Apps, in denen Sie die wichtigsten Punkte und Daten zu Ihren Kopfschmerzen elektronisch dokumentieren können. Im Anschluss führen wir eine neurologische Untersuchung durch. Wir prüfen zum Beispiel die Reflexe, Sinneswahrnehmung, Muskelkraft und Beweglichkeit. Wenn die Diagnose noch unklar ist führen wir je nach Verdachtsdiagnose noch eine Magnetresonanztomographie (MRT) zur Abklärung von Veränderungen im Gehirn durch. Auch eine Bildgebung der Halswirbelsäule mit der Frage nach Abnutzungserscheinungen kann sinnvoll sein. In Einzelfällen ist eine Lumbalpunktion zur Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) notwendig.
Bekannt sind einige allgemeine Massnahmen, mit denen Sie Kopfschmerzen häufig vorbeugen können. Einige Tipps:
- Ernähren Sie sich gesund (zum Beispiel viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte), trinken Sie ausreichend (zum Beispiel Wasser, Tee, Fruchtsaftschorlen) und nehmen Sie regelmässige Mahlzeiten zu sich.
- Bewegen Sie sich regelmässig im Alltag und treiben Sie Sport, am besten an der frischen Luft. Gut sind Ausdauersportarten wie Wandern, Nordic Walking, Laufen, Schwimmen oder Radfahren.
- Erlernen Sie eine Entspannungstechnik, etwa Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Auch Yoga, Tai-Chi oder Qigong können Stress lindern.
- Nehmen Sie Schmerzmittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über längere Zeiträume ein – auch Schmerzmedikamente können Kopfschmerzen verursachen.
- Psychotherapie, zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
- Medikamente zur Vorbeugung: Für Menschen mit häufigen Spannungstypkopfschmerzen, Migräneanfällen und Clusterkopfschmerzattacken gibt es eine medikamentöse Prophylaxe. Sie vermindert die Stärke, Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzattacken.
Der Verlauf und die Prognose bei Kopfschmerzen hängen davon ab, welche Art von Kopfschmerzen vorliegt. Spannungstypkopfschmerzen sind meist nur vorübergehend und klingen nach kurzer Zeit wieder ab. Allerdings können sie auch chronisch werden und dann sehr häufig wiederkehren.
Der Verlauf der Migräne kann unterschiedlich sein. Bei manchen Frauen bessert sie sich in bestimmten Situationen und Lebensphasen, zum Beispiel in der Schwangerschaft. Nach den Wechseljahren verschwindet sie oft ganz. Doch sehr selten wird die Migräne chronisch. Das bedeutet, dass Betroffene mindestens über drei Monate an mehr als 15 Tagen pro Monat Migräne haben.
Die Clusterkopfschmerzen setzen meist nur in bestimmten Phasen ein. Die Kopfschmerzepisoden können Tage bis Wochen andauern. Dazwischen liegen immer wieder beschwerdefreie Zeiten, die unterschiedlich lang anhalten können – manchmal sind es sogar Jahre. Clusterkopfschmerzen setzen bevorzugt im Frühjahr oder Herbst ein.
Manchmal nehmen auch Clusterkopfschmerzen einen chronischen Verlauf. Dann treten die Attacken gehäuft auf, und es gibt kaum Phasen ohne Beschwerden. Besonders gefährdet sind Personen, bei denen der Clusterkopfschmerz erst in höherem Lebensalter erstmals in Erscheinung tritt. Auch das Umgekehrte kann geschehen: Eine chronische Form kann in Episoden übergehen.
Bei sekundären Kopfschmerzen, die auf eine andere Erkrankung zurückgehen, hängen die Prognose und der Verlauf von der Grunderkrankung ab. Aber oft bessern sich die Kopfschmerzen, wenn wir die Ursache ausreichend behandeln, etwa Infektionen, Bluthochdruck oder den Grünen Star.
Es gibt einer Reihe wirksamer Schmerzmittel (Analgetika), die in niedriger Dosierung freiverkäuflich (ohne Rezept) in der Apotheke oder im Internetversandhandel erhältlich sind. Allerdings sollten Sie Schmerzmedikamente nicht über längere Zeit anwenden, ohne mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt Rücksprache zu halten. Die häufige Einnahme kann zudem selbst Kopfschmerzen auslösen (medikamenteninduzierter Kopfschmerz)
Einige Beispiele für Wirkstoffe, die schmerzlindernd wirken:
- Ibuprofen
- Naproxen
- Paracetamol
Migräne und Clusterkopfschmerz: Besondere Medikamente
Für Menschen mit Migräne und Clusterkopfschmerzen gibt es spezielle Arzneien, die gezielt auf diese Kopfschmerzarten zugeschnitten sind. Erhältlich sind sie in verschiedenen Darreichungsformen, etwa als Tabletten, Nasenspray, Spritzen oder Zäpfchen. Diese Medikamente sind Verschreibungspflichtig und dürfen nur in Absprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin eingesetzt werden.
- Migräne: Triptane, Ergotamine, Metamizol, Medikamente gegen Übelkeit (zum Beispiel Metoclopramid, Domperidon).
- Zur Migräne-Prophylaxe eignen sich unter anderem Betablocker (zum Beispiel Metoprolol oder Propranolol), Kalzium-Antagonisten (Flunarizin) oder Antiepileptika (Valproinsäure, Topiramat). Für therapieresistente Kopfschmerzen stehen neu die sogenannten CGRP-Antagonisten zur Verfügung. Auch nicht-medikamentöse Therapien können hilfreich sein (z.B. transdermale Elektrostimulation).
- Clusterkopfschmerz: Sauerstofftherapie (Atemmaske und Sauerstoffflasche), zwei Triptane (Sumatriptan als Pen zu Injektion unter die Haut, Zolmitriptan als Nasenspray), spezielle lokale Infiltration mit Anästhestika.
