Ein besonderer Schwerpunkt unserer klinischen und wissenschaftlichen Tätigkeit ist die hochauflösende Muskel- und Nervensonographie. Bereits früh haben wir uns mit dieser Untersuchungsmethode beschäftigt und ihre Entwicklung in der Schweiz aktiv mitgestaltet. Heute gehört der Nerven- und Muskelultraschall zu den wichtigsten Ergänzungen der klassischen neurologischen Diagnostik.

Im Gegensatz zu EMG- und Nervenleitungsuntersuchungen erlaubt der Ultraschall die direkte Darstellung von Nerven, Muskeln und umliegenden Strukturen in Echtzeit. Dadurch können Veränderungen sichtbar gemacht werden, die mit anderen Untersuchungsmethoden nur schwer oder gar nicht erfasst werden können.

Besonders wertvoll ist die Methode bei:

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Ulnarisneuropathien
  • Polyneuropathien
  • Nervenverletzungen nach Unfällen oder Operationen
  • Muskelerkrankungen
  • entzündlichen Neuropathien
  • unklaren Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen

Gerade bei Nervenverletzungen liefert die Sonographie häufig entscheidende zusätzliche Informationen über Ort, Ausmass und Verlauf der Schädigung und unterstützt damit die Planung einer gezielten Behandlung.

Die Untersuchung der peripheren Nerven ist ein Teilgebiet der Neurologie. Üblicherweise erfolgt eine klinische und elektrophysiologische Abklärung. Diese beiden Methoden sind wichtig um einen Eindruck über den funktionellen Schaden zu erhalten. Ausserdem ist die elektrophysiologische Untersuchung wichtig, um zwischen einem axonalen („das Innenleben des Nerven betreffend“) und einem demyelinisierenden („die Aussenhülle des Nerven betreffend“) zu unterscheiden und vor allem mit Hilfe der Verlaufsuntersuchung eine Aussage zur Regeneration und der Krankheitsprognose geben zu können.

Leider kann mit beiden Methoden keine Aussage zur Morphologie und zum genauen Schädigungsort des Nervens gemacht werden. Mit Hilfe der Nervensonographie können nun aber sämtliche Nerven – auch diese, der elektrophysiologischen Untersuchung nicht bzw. nur schlecht zugänglich sind bezüglich struktureller Veränderungen beurteilt werden. Dabei muss betont werden, dass die Nervensonographie eine ergänzende und nicht eine kompetitive Methode ist. Lediglich bei Kindern oder bei Erwachsenen mit Angst vor elektrischen Impulsen oder Nadeln kann die Nervensonographie anstelle der elektrophysiologischen Untersuchung allein angewendet werden. Ansonsten sollte sie aber ergänzend zur elektromyograpischen und elektroneurographischen Untersuchung durchgeführt werden. Für die Nervensonographie benötigt man hochauflösende Ultraschallsonden mit einer Frequenz von 5-17 MHz) und eine entsprechende Verarbeitungssoftware. Mit 15 MHz-Sonden kann eine axiale Auflösung von 250 µm. Die zu benutzende Frequenz hängt ab von der Tiefe des Nervens im Gewebe. Für oberflächliche Nerven wie zum Beispiel der Nervus medianus oder Nervus ulnaris sind hohe Frequenzen für tieferliegende Nerven wie zum Beispiel dem Nervus ischiadicus sind tiefere Frequenzen sinnvoll. Wichtig ist auch, dass zusätzlich eine farbkodierte Dopplerfunktion angewendet werden kann, um z.B. Normvarianten wie eine persistierende Arteria mediani nachzuweisen oder um entzündliche Nervenerkrankungen besser beurteilen zu können.

Bei normgewichtigen Menschen können alle grossen Nerven im Bereich der Extremitäten also der Nervus medianus, radialis, ulnaris, ischiadicus, tibialis, peronaeus und suralis untersucht werden. Des Weiteren ist es möglich die spinalen Nervenwurzeln C4-C8 zu untersuchen. Wichtig ist dies aber eher für therapeutische Zwecke also der entsprechenden Nervenwurzelninfiltration, die Untersuchung der Nervenwurzeln bleibt ansonsten eine Domäne der Kernspintomographie.

Gesunde Nerven zeigen eine typische Wabenstruktur auf Querschnittsbildern. Auf Längsschnitten lassen sich die Nervenfasern gut abgrenzen. Mit der farbkodierten Sonographie lassen sich die epineural gelegenen Vasa nervorum nachweisen. Die Hauptanwendung der Nervensonographie sind aktuell die kompressiven Neuropathien wie vor allem das Karpaltunnel- und Sulcus-ulnaris-Syndrom. Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Erkrankung des peripheren Nervensystems und hat eine Lebenszeitprävalenz von 15%.

Weitere wichtige Einsatzgebiete der Nervensonographie sind die Darstellung von Nerventumoren wie zum Beispiel Schwannome oder Neurofibrome, die Sonographie von traumatischen Nervenläsionen und generalisierter Neuropathien (Polyneuropathie). Vor allem kann mit der sonographischen Darstellung traumatischer Nervenläsionen frühzeitig eine bezüglich des Ausmasses der Nervenschädigung (Druckläsion versus kompletter Nervendurchtrennung) bei Patienten, die nach einer Verletzung eine komplette Lähmung (Plegie) einer Extremität haben, gemacht werden.